Allein und weit weg: Moon (2009)
Ducan Jones, der Sohn David Bowies, hat einen ersten Spielfilm in die Kinos gebracht: „Moon“ ist ein sehr gelungenes, unprätentiöses Independent-SF-Drama, gedreht mit einem Schauspieler in einem englischen Studio das an die Zeiten erinnert als Tarkowski für Solaris in seinem Bad drehte.
Sam Bell (Sam Rockwell) lebt alleine mit dem Stationsroborter Gerty (Stimme: Kevin Spacey) auf einer Raumstation auf der Rückseite des Mondes, um für „Lunar Corporations“ saubere Energie aus Mondstaub zu gewinnen. Kurz bevor sein Dreijahresvertag ausläuft und er auf die Erde zurück kann, hat er einen Unfall, dessen Folgen das Leben auf der Mondstation völlig durcheinander bringen. Der Plot ist dabei geschickt konstruiert, denn genau genommen kommen die Sachen durcheinander weil genau das eingetroffen ist was Getsy behauptet: „du hattest einen Unfall …….“. Weil die Lüge dieses mal der Wahrheit entspricht wird Sie als Lüge sichtbar.
Moon ist steht in einer SF-Tradition in der die großen Fragen der Condition Humana abseits der Erde verhandelt werden, vor allem die Frage wann ein Individuum ein Individuum ist. Jones selbst sagt in einem Interview über Moon, er sei vor allem von den SF-Filmen der späten Siebziger inspiriert gewesen, in denen „Arbeiter, glaubhafte Menschen“ in einem SF-Szenario gezeigt wurden. (Interview) Daneben enthält Moon Ideenstränge vieler SF-Klassiker, die Jones zu einem neuen, genuin eigenen Film verbindet. Nennen wir hier beiden Klassiker mit denen man selten falsch liegt: Bladerunner (die Idee vom „falschen“ Menschen der auf den ersten Blick nicht vom „echten“ zu unterscheiden ist, und auch selbst von seiner Kondition nichts weiß; auch der „allmächtige“ Konzern „Lunar Corporations“ erinnert sehr an TYRELL), 2001 Odysee im Weltraum („die Maschine hat Informationen die der Astronaut nicht hat, und hat mehr Entscheidungsgewalt als er“ ).
Wenn wir beim Thema Computer bleiben, dann hat Getsy einen Platz in der „Roborters Hall of Fame“ verdient. Das Design dieses Roborters ist fantastisch. Gertsy hat eine Art Körper (einen Greifarm, eine Kamera) und eine Art Seele (die er in Form von Emotions-Smileys auf einem Monitor vor sich herträgt). Im Laufe des Films kommt der Computer in ein moralisches Dilemma: seine programmierte Loyalität Sam gegenüber - „ich bin hier um dir zu helfen“ - steht plötzlich im Konflikt zu seiner Loyalität dem Konzern gegenüber. Interessant ist, dass die Überlegenheit des Menschen normalerweise darin besteht, dass er in die Mechanik des Computers eindringen kann, um seine Gedanken zu verändern (siehe 2001). In Moon ist es umgekehrt: die Menschen (Klone) sind mechanisch, und werden alle drei Jahre ersetzt, während Getsy, der Computer, die Entscheidung neu gestartet zu werden aus moralischem Antrieb treffen und durchführen kann.
Allerdings kann es den Eindreuck vervälschen „Moon“ all zu sehr zu intellektualisieren. Es ist das herausragende an diesem Film, dass er einerseits einfach, andererseits fundamental ist. Was tut man, wenn man herausfindet, dass man austauschbar ist? Was tut man, wenn man weiß, dass alles eine Illusion ist? Sind falsche Erinnerungen Echt? Diese und andere Fragen stellt Moon, ohne Zeigefinger, ohne übermäßige Effekte und mit einem Ensemble aus Produktionsdesign und Enselmbe das so gelungen ist, eben weil alles natürlich aussieht –der Roboter (sehen den Roborter nicht so aus?) die Raumstation (eine ganz normale Raumstation!) und der mit einer subtilen Fantasie, einem tollen Produktion-Design und schließlich dem wunderbarden Spiel von Sam Rockwell (genau so sieht ein Weltraumarbeiter aus!). Dahinter steckt natürlich ein akribischer Regisseur, von dem wir noch vieles erwarten können.
P.S.: hier noch eine kleine, persönliche, Computer Hall of Fame.
Hal (2001):

Hat in dem Sinne keinen Körper, sondern nur eine Stimme und ein rotes, gefährliches, Kameraauge. Sein Ziel ist es Jupiter zu erreichen. Der scheinbare Störfaktor: die Besatzung. Die logische Folgerung: Sie zu töten. Wird von einem Astronauten deaktiviert, zeigt sich dabei aber als Menschlich, indem er Angst vor dem Nichtsein hat und vor dem Tod Kinderlieder singt.
Bombe 20 (Dark Star):
Das Ziel: Explodieren. Das Hindernis: das die Besatzung genau das nicht will, und mit einem phänomenologischen Apell an Bombe 20 versucht sie davon abzubringen. (Die Diskussion ist hier zu finden: http://www.thedarkstar.de/bombe20.html). Explodiert trotzdem mit den Worten „Es werde Licht.“
Getsy (Moon):

Hat einen klumpigen Roboterkörper der mit der Raumstation verbunden ist, aber auch einen Geist (Stimme und Emotions-Bildschirm). Soll für Ordnung sorgen, aber auch dem Astronauten helfen. Entscheidet sich im Loyalitätskonflikt für den Astronauten und startet sich neu.