Nachtrag Cannes (TATSUMI, THE DAY HE ARRIVES, TREE OF LIFE)
Rückreisen und Heimkünfte sind nervenaufreibend, deswegen erst jetzt ein paar kurze Kritiken zu drei Filmen die mehr Worte verdient hätten.
Beginnen wir mit Tasumi, einem Film von Erich Khoo, dem einizigen Animationsfilm den wir in Cannes sahen. Der Film ist eine beeindruckende Kollage aus dem Biographie und Werkportrait, und nach einer Weile gibt man es auf die beiden von einander trennen zu wollen, und taucht ganz ein in die Welt von Yoshihiro Tatsumi, dem Begründer und Meister der „Gekiga“. „Gekiga“, so erklärt uns der Film, sind „Manga“ für Erwachsene, gezeichnete Geschichten die auch vor dem schockierenden und makaberen nicht zurückschrecken.
(ausserdem ein Making of: http://www.youtube.com/watch?v=Ke7Nf2_EwOc)
Ich wünsche mir sehr, dass Tasumi auch in Deutschland in die Kinos kommt; bei dem geringen Comicinteresse hierzulande scheint es mir aber unwahrscheinlich. Auf jeden Fall ein Film, den man seine Videothek zu kaufen zwingen sollte!
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Wer dieses Blog schon länger verfolgt, wird wissen, dass ich ein großer Verehrer von Hong SangSoo bin. Im lezten Jahr war er mit Hahaha in Cannes vertreten. Dieses Jahr ging er mit „The Day he arrives“ ins Programm.
Seongjun (YU Junsang) kommt aus der Provinz nach Seoul zurück, um dort einen Freund zu besuchen. Er ist Reggiseur (Küstler sind Sansoos Figuren immer) und Professor an einer Provinzhochschule. Auch alle Menschen die er in der Stadt trifft – drei Generationen von Protagonisten – kreisen um das Kino, ohne je einen Film zu machen. Filmstudenten, Filmprofessoren, Filmemacher ohne Filmideen. Rudolph Thome – auch ein Sangsoo-Fan – soll in einem Interview gesagt haben in Deutschland hätte man Ihn für einen Film über Filmemacher zerrissen. Aber „The Day he Arrives“ ist weniger ein Film über das Filmemachen, es ist mehr ein Film über Hoffnungen und Ihren verführerischen Geschmack.
Ein klassischer Sangsoo: Kunst, Liebe, Hoffnung, mässiger Erfolg, großer Genuss.
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Am wenigsten gerecht werde ich Malicks „Tree of Life“ werden können. Aufwendige Kritiken gibt es zu diesem Film glücklicherweise viele. Ich wage nicht mehr als einen Eindruck.
Am Anfang war der große Knall, dann gab es eine Sonne, die Erde war ein Feuerball, kühle sich ab, Leben entstand, wuchs, ging an Land, veränderte seine Form; das Land wurde grün, durch das Grün liefen Dinosaurier, ein Asteroid tötet Sie… All das, so scheint Malick uns sagen zu wollen, vergessen wir im Kino, wo es auf der Leinwand selten etwas anderes gibt als Menschen. Zwanzig Minuten Universum. Mit Symphoniebegleitung und Großaufnahme, dass, was man sonst nur Nachts auf Phönix sieht.
Eine Schlüsselszene der Urzeit: Ein Dinosaurier tränkt sich am Fluss. Ein Anderer pirscht heran und wirft Ihn zu Boden. Seine Tatze bedeckt das Gesicht des Ersten; zwischen seinen drei Zehen sehen sehen wir das Auge des Besiegten. Der Angreifer steht eine Weile da, dann hebt er langsam die Tatze und läuft davon. Die Erfindung der Güte.
„Die Familie ist das Universum des Individuums“
Wie Malick den Sprung aus dem Universum in die Familie geschafft hat, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Wir verfolgen nun das Leben Jacks (Hunter McCracken) und seiner Brüder in den fünfziger Jahren. Mr. O’Brien (Bratt Pitt) gibt einen Fabrikangestellten der mehr erreichen will; der sich vom Leben um seienn Teil betrogen sieht, und meint Härte sei der weg es sich zu holen. Brad Pitt gibt diesem Vater im Laufe der Erzählung eine Tiefe, die uns erschrecken läßt vor der Wut die in diesem spröden Mann lodert. Und uns näher an Jack heran bring, auf den sich diese Wut verebt hat. Malick setzt ein weibliches und ein männliches Prinzip gegeneinander. Es sind nicht ganz aufzulösende Kindereindrücke von väterlicher Macht, mütterlicher Schönheit und der Unendlichkeit des Waldstücks. Am Ende wird Jack zu Sean Penn und der Film undurchdringlich Methaphysisch. Menschen laufen am Meer. Frauen und deren Töchter. Ich muß an „Mirror“ von Tarkowski denken, aber hier fühlt es sich übertrieben bedeutungsschwanger an.
Unvergesslich ist die Kamera von Emmanuel Lubezki. Sie ist wie an Schatten montiert, immer in Bewegung, nimmt vorweg, heftet die Schauspieler mal in Malicks Welt fest, und gibt unseren Blicken manchmal so etwas wie Beweungsfreiheit.
Ich glaube der Preis war so verdient, wie der Film gewagt war. Ich bin überzeugt, dass viele Federn, die den Film verdammen in einer Logik schreiben die da heißt „wie viele gute Filme hätte man mit diesen Mitteln machen können“. Diese Logik ist falsch; Es gibt verschiedene Geschichten, und manche Geschichten können nicht anders erzählt werden als mit Aufwand und viel Geld; Ich freue mich darüber, dass das noch immer gelingen kann. Das im europäischen Förderkino Wahnsinn normiert ist, und Geld knapp, sollte uns nicht davon abhalten uns an Hollywoods gigantischer Bildmaschine zu erfreuen so lange es noch geht.
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