Les amours imaginaires (Heartbeats)

Dieser Junge hat alles: Schauspieler mit sechs, mit achtzehn der erste Langfilm („J’ai tué ma mère“, 2009) fertig, mit einundzwanzig läuft sein Zweiter als „un certain regard“ in Cannes. Wurde es Xavier Dolan in die Wiege gelegt? Vielleicht. Aber der Film ist so gut, dass auch der Neider nicht drum herum kommt zuzugeben: echtes Talent; Genieverdacht sogar. Ich hoffe nicht in Berlin zu sein, wenn der Film herauskommt; es wird einen Tsunami aus Lob geben.

„Les amours imaginaires“ erzählt eine Dreiecksgeschichte zwischen Marie (Monia Chokri) ihrem schwulen besten Freund Fancis (Xavier Dolan) und dem schönen Nicolas (Niels Schneider) in des sich beide verlieben. Umrahmt wird das ganz von Interviewartigen Frontalaufnahmen einiger Jungen und Mädchen die von Ihren Verflossenen erzählen. Zum Beispiel so:

 „Ich mochte es über den Ozean zu fliegen um Ihn zu sehen, in Berlin anzukommen, ins Cafe zu gehen. […] Er zog hier ein, ich musste nur noch über den Flur um Ihn zu sehen, dann war er weg. Und, von den Gefühlen abgesehen, hat man jede Menge Geld in den Sand gesetzt. Aber der Herr hat ja den Euro.“

Xavier Dolan portraitiert die globalisierte Welt des gekonnten, globalen Jungsseins, der elektronischen Vintageköniginnen und  der Jungs mit Jeams-Dean Haarschnitt; derer, die zwischen New York und Montreal und Berlin wohnen, sich in der Musik zu Hause fühlen wollen, aber eigentlich kein Zuhause haben außer einer ungestillten Sehnsucht nach etwas anderem.  Ein Soundtrack aus „The Knife“ und Chello. Eine subtile Kamera die den Figuren folgt. Lichtexperimente. Kameraexperimente: einiges an Bildern, die ich so noch nicht gesehen habe. 

Der Film ist eine Mischung aus „Berlin Calling“, „Theorema“ und „Les Chansons d’amour. Wie bei Francois Ozon, gibt es auch in Delons Universum keine Beziehungen die entsexualisiert sind. Immer schwingt ein Hauch ungelenkter Lust mit, ungelenkt in Person und Geschlecht. In einer Szene wird die Kinsey-Skala der Homosexualität diskutiert. Dann wird zum Afternoontee eingeladen und Schreibmaschine geschrieben. Delon hat es geschafft die Welt seiner Figuren mit all Ihren Widersprüchen und Ungereimtheiten darzustellen ohne sie – und das ist selten für jene die diese Welt kennen – mit Ernst zu glorifizieren.


Ein Film der keineswegs perfekt ist, aber nahezu. Ein Film von jemandem der weiß wie gut er ist, gespickt mit kleinen Imperfektionen, so genau gesetzt sind, dass man sich fragt ob nicht auch sie nicht gewollt sind; wie eine makellos zerwuschelte Frisur. Xavier Dolan ist tendenziell alles zuzutrauen.

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Anders aber wahr: http://www.variety.com/review/VE1117942778.html?categoryid=31&cs=1

Auf Youtube sorgt sich ein Community-Manager darum immer wieder zu betonen wie sehr der „erst einunzwanzigjährge“ Regisseur alles selbst gemacht hat. „Auch die 3 Plakate.“ Xavier Dolan macht eben auch „was mit Medien.“

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