Il Gepardo (Visconti)
Damen mit weiten weißen Rückpartien, einige Solariumerben, viele schwarze Anzüge: alle strömen Sie in den Saal. Um Benico del Toros Platz bildet sich schnell eine kleine Menschentraube bewaffnet mit Stiften und spitzen Blicken. Ein Leibwächter mit Spitzbärchen hält sie zurück. Die Dame vor mir springt immer wieder auf, fährt ein Objektiv heraus und lächelt breit. Wenn der Leibwächter nicht im Weg steht lächelt er zurück.
Scorcese verspätet sich. Man wartet sitzend oder um Autogramme stehend. Dann trifft er ein, ein agiler Kopf um eine schwarze Brille herum auf stabielen kleinen Körper. Scorcese dankt den Restauratoren und der Übersetzer dankt nochmal. Dann beginnt endlich der Film; er ist wundervoll restauriert. Die Farben haben wenig zu tun mit dem folgenden, fahlen, Trailer:
Der Leopard ezählt zwei Geschichten von Endlichkeit. Die von der Endlichkeit des Adels im Sizilien des ausgehenden 19 Jahrhunderts, und die der Endlichkeit eines Mannes - des Prinzen von Salino - der den Stolz und die Grazie dieses Lebens verkörpert. Dieser Prinz von Salino, der sagt dass “nichts sich ändernt” aber dessen Gesicht weiß, dass alles sich ändern, dass nicht nur er sterben wird sondern auch seine Welt. Burt Lancaster genial diesen Mann der seine Welt versucht zu retten indem er sie mit der neuen Welt vermengt. Indem er was er an Einfluss hat für seinen Neffen Tancredi einsetzt. Und Alain Delon der junge, der schöne und agile, der sich so geschmeidig durch Viscotis Bilder bewegt nimmt alles mit Dank an, das Geld, die schöne Frau, ein Schloß. Bis er selbst, der Prinz von Salino, auf seinem letzten großen Ball überflüßig wird.
Die beiden Geschichten die Visconti so geschickt verwoben hat, werden an diesem Abend um eine dritte ergänzt. Der Alain Delon der auf der Bühne auftaucht, hat nichts mit jenem zu tun, den man auf der Leinwand sah. Ein robuster Alter mit borstigem weißen Haar und rotem Gesicht der beide Beine leicht nachzieht, Hand in Hand mit einer alten Frau (Claudia Cardinale) hinter deren Brille man eine einstige Schönheit vermuten kann. Der Junge Tancredi ist nun älter als sein Onkel. Und alle im Saal, auch die mit den offenen Rücken, können spüren, dass dieses Kino das einer anderen Zeit ist, dass hier noch einmal einen großen Ball feiert bevor es für immer zuende geht. Und das zu sehen ist sehr schön und sehr traurig zugleich.