Im Zweifel gegen die Kunst: Monte Hellmanns „Road to Nowhere“

Eine Hand schiebt eine DVD in den Laptop. Handschriftlich ist der Titel darauf vermerkt: „Road to Nowhere“. Die Kamera zoomt in den Laptopbildschirm, wo der Film beginnt. Eine schöne junge Frau fährt ihr Auto an den Rand eines Sees, stellt den Motor ab, und sieht durch die Windschutzscheibe ein Flugzeug senkrecht in den See stürzen und darin versinken.

Der junge Regisseur Mitchell Haven (Tygh Runyan ) dreht einen Film über einen ungeklärten Mord im Süden der USA. Wir sehen Ihn recherchieren, Interviews geben, den Cast aussuchen und mit Produzenten und Drehbuchautoren trinken. Wir sehen Ihn eine unbekannten Schauspielerin („she played in one exploitation-movie before“) in Rom aufsuchen, und mit Ihr am am Trevibrunnen sitzen. Lorie (Shannyn Sossamon) bekommt die Hauptrolle, und ja, Mitchell verliebt sich in Sie. Wir sehen Filmszenen und Produktionsszenen, wir sehen die Hotels und Trailerparks in denen die Filmcrew absteigt, die Proben der Schauspieler und die Sorgen des Drehbuchautoren. Wir sehen Regisseur und Schauspielerin dabei zu wie Sie im Bett Filme sehen, Meisterwerke der Filmgeschichte, die Mitchell jeweils mit “fucking masterpiece” kommentiert. Manchmal sehen wir verschiedene Schnittfassungen der gleichen Szene.

Das alles klingt nach einem wunderbaren Film über das Filmemachen, nach einer feingliedrigen Indie-Version von Stardust Diarys oder 8 ½. Das ist “Road to Nowhere” nicht. Der Film ist widerborstig, und widersetzt sich immer wieder dem kausalen Verständnis. Der Film im Film, ein mysteriöser Film Noir, nimmt viel Platz ein, kann aber vom Zuschauer nicht verstanden werden, da er – und hier ist „Road to nowhere“ logisch – nicht chronologisch gedreht wird. Trotzdem ist es Absicht uns nichts verstehen zu lassen, denn es wäre ein Leichtes gewesen in einer der Interviewszenen den Plot zu erläutern. Es hat zunächst auch einen gewissen Reiz, sich ganz mit den Schauspielern (in Ihrer Rolle als Schauspieler) befassen zu müssen: War das gerade ein guter Take? War das nur eine Probe?

Aber selbst das beeindruckende Spiel von Shannyn Sossamon (nicht nur im Film eine Entdeckung), kann über 90 Minuten keine Dramaturgie ersetzen. Es ist legitim, dass der Film sich einer kausalen Deutung widersetzt; es ist ebenfalls legitim, den Zuschauer auf falsche Fährten zu locken und seine Sinne schärfen zu wollen. Langeweile aber ist ehrlich, und ich vertraue Ihr blind. Wenn es uns auf halber Strecke egal wird, was mit den Protagonisten passiert, dann deswegen, weil „Road to Nowhere“ sich auch einer emotionalen Durchdringung verweigert. So stellt sich der Filmtitel als Versprechen heraus, und der Film bleibt – trotz großartiger Schauspieler und vieler guten Ideen - ein Kunststück, wo ein wichtiger Film hätte sein können.

  1. eingewisserblick posted this
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