Nachtrag zu Moon
Zu dem wundervollen Film “Moon” von Duncan Jones gab es hier schon eine Kritik. Und was könnte es unkritischeres geben als Ihn hier - mit einem Jahr Verspätung - zu feiern. Ich habe eben das folgende Video gefunden, und es ist die schönste Dankesrede, die ich kenne. Ich hoffe er macht noch viele gute Filme, und wünsche uns das selbe:
Szenen einer Ehe, prekär: Miranda Julys “The Future”
„No one belongs here more then You“ heißt ein Erzählband von Miranda July, „Me You and Everyone you know“ (2005) Ihr erster Langfilm. Und schon diese beiden Namen geben einem dieses seltsame Miranda July Gefühl, ein Gefühl, von dem Thomas Groh glaubt, junge New Yorker hätten es einst bei Woody Allen gespürt. Vor der Kritik zu the Future hier also erst einmal eine Einführung in das „July“-Gefühl mit Ihrem Kurzfilm aus dem Jahre 2005: “are you the favorite person of anybody?”
In „The Future“ macht Miranda July die verheerende Wirkung des großen Wollenmüßens erfühlbar. Leider schafft Sie es dabei nicht aus den teilweise brillanten Szenen einen solchen Film zu machen.
Eine gewöhnlich ungewöhnlicher Indie-Plot
Sophie (Miranda July) und Jason (Hamish Linklater) sind ein dreißigjähriges Paar in Los Angeles, die ein Macbookleben zwischen präkerem Job, Alltagskreativität und dem Internet führen; zu den wenigen Konstanten gehört das späte Aufwachen und der Griff nach dem Laptop. Um aus dem Kreislauf des immerneuen Immgergleichen auszubrechen, beschließen Sie eine Katze zu adoptieren. „Paw Paw“, die Katze, muß wegen gebrochener Pfoten noch einen Monat lang im Tierheim bleiben, bevor sie in ihr neues Heim ziehen kann. Dreißig Tage, die Sophie und Jason noch in Freiheit haben bevor – so glauben Sie – alles für immer Anders wird. Dreißig Tanzvideos will Sophie bis dahin auf Youtube einstellen, so viele wieSie in Ihrem Leben nocht nicht gemacht zu haben scheint. Um den letzen Monat in Freiheit ganz auskosten zu können kündigen die beiden erst ihre Jobs und schließlich sogar das Internet. Der Tyrannei einer solchen Freiheit halten beide nicht lange stand: Jason läßt sich als Hausierer einer Bäume verkaufenden Umweltorganisation einspannen, Sophie beginnt eine Affäre mit einem älteren Vorortfabrikanten. Und dazwischen erzählen uns zwei gebrochene Katzenpfoten was es mit der „Zeit“, dem „Wild-„ und „Zuhauseseins“ auf sich hat.

Präzesion des Gefühls
Miranda July ist eine Meisterin des Details, der Szene. Im Hause von Paul etwa, neben dem Sophie etwas steif auf einem Ledersofa sitzt. Eine Weile passiert nichts, dann legt er seine Hand auf Ihren Schenkel. Ohne große Leidenschaft aber auch ohne Schüchternheit. July trifft die Zwischentöne genau. Wir sehen Sophie, wie Sie sich an einem Sessel masturbiert, die Augen geschlossen wie um sich zu verlieren. Paul schiebt ihren Rock hoch und ihren Slip herunter. Er geht ein Kondom holen. Da passiert es: wir sehen eine junge Frau im Haus eines älteren Mannes, ihr Po schaut unter dem hochgeschoben Rock hervor und sieht verloren aus. „Sie muß frieren“ denken wir. Wir sehen nun mit den Augen Sophies eine Reihe willkürlicher Objekte: eine sehr hässliche Vase, eine holzgeschnitzte Maske… Der Raum und Bild sind die Gleichen, aber alle Erotik ist mit einem Mal verschwunden. Miranda Julys Genie, das ist Ihre Präzision des Gefühls.
Irgendwann wird Jason mit dem Mann im Mond sprechen und die Zeit anhalten. Das ist schade, denn July scheint nicht gemerkt zu haben, dass Sie das längst konnte. Wenn Pauls Tocher sich ein Loch in den Garten gräbt, immer wieder hineinsteigt bis wir irgendwann nur noch Ihre zufriedenen Augen sehen, dann läuft zwar der Film weiter die Szene aber bleibt außerhalb der Zeit stehen.
messed up truth
In Ihrem ersten Film, „Me, You and everyone we know“ sind viele solcher Momente in eine Geschichte eingespannt. Und es spielen dort gut erfundene Charaktere, die Julys Begriff von Wahrheit sehr nahe kommen: “What I like best is this sort of complicated messed up truth, like the one that’s like so imperfect that you know it’s true.” Für “The Future” gilt eher die Umkehrung: „It’s not automatically true, just because it’s messed up and imperfect“. Sie habe vieles mit den Charakteren gemein, hört man von July in Interviews. Vielleicht zu vieles, den die Figuren und Szenen des Films wirken oft nicht für den Film erfunden, sondern als hätte Miranda July Sie irgendwo gefunden und mit Gewalt in einen Film gepresst; als würde dieser Film bersten, wenn man Ihn an der falschen Stelle höbe.
Gemeinsam ist den Filmen Ihre grundsätzliche Bejahung der Charaktere; immer lachen Sie über sich, noch bevor wir über Sie lachen können. Weise sind nur Greise, Kinder und Katzen: immer wieder gibt July uns das Gefühl, dass Erwachsensein sei eine eigentlich lästige und anstrengende Phase zwischen dem Ernst der Kinder und der Ruhe der Alten. Deren Liebe bleibt in beiden Filmen etwas unerschütterliches, ein Horizont für all die ungerichtete Hoffnung; ein abgeschlossenes Werk, das Männer als Erzählung vollenden, die ihr „Du“ überlebten.
Trust the machine!
Es ist nicht selten, dass ein Filmemacher an den Erfolg seines Erstlings nicht anknüpfen kann. Woran aber lag es bei Miranda July, dass Ihr erster Film so viel reifer war als dieser Zweite? Fündig werden wir in dem hervorragenden Text „Everyone she knew“ von Scott Macaulay. Er recherchiert präzise die Entstehung von „Me You and Everyone we know“ von der ersten Idee „on the L train to chicago“ bis zum Beginn der Preproduction im Jahre 2004. Dazwischen bewirbt sich Miranda July jedes Jahr beim Writers Lab des Sundance Film Festivals, wird abgelehnt, schreibt neu, wird abgelehnt, wird schließlich eingeladen, schreibt das Buch wieder um. Ein Verantowrtlicher von Sundace erinnert sich:
She submitted to the lab again in the fall, and this time she was accepted. Remembers Satter, “For about a year we had had conversations, and each time I read the script, it had gotten to a new stage. Characters began to jump off the page. It initially felt like short stories that weren’t connected to each other, but it had begun to grow. There was an irony and also a kind of humanism, and the characters were funny and interesting.”
Ich glaube, es ist ein großer romantischer Irrtum – von den sinkenden Produktionskosten durch das digitale Filmemachen befördert – zu glauben, Kunstwerke würden besser, wenn man dem Künstler möglichst freie Hand ließe. Dass das Gegenteil der Fall ist, zeigt uns der Vergleich von „Me You and Everyone we know“ und „The Future“. Künstler müßen beim Denken völlig frei sein, bei der Umsetzung aber gewinnt das Kunstwerk meist, wenn es erklärt, verteidigt und somit wieder und wieder gedacht werden muß. Es ist zu hoffen, dass Miranda July bei Ihrem nächsten Film mehr Hilfe in diesem Sinne haben wird, um Ihre Ideen in eine Form zu schleifen, in der Sie wirklich glänzen können.
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P.S.:
Ein schönes Interview mit Miranda July:
Ein grausamer Beitrag von Arte, bitte vorher die Zahnschiene einsetzen; Es gibt derzeit keinen anderen Trailer:
Adam, Adam, Eva: 3 von Tom Tykwer (2010)
Strommasten fliegen vorbei, zwei Linien aus Überlandkabeln, „Paral-le-lität“ tönt es aus dem Off, Kabel die sich näher kommen und sich voneinander entfernen, „Nicht heiraten - Nicht zusammenziehen - Nicht Kinder “ fragt die Männerstimme „Doch zusammenziehen, Doch Kinder!” die Fahrt wird langsamer, „du stirbst“ sagt Simon (Sebastian Schipper) und wir sehen Ihn auf Hanna (Sophie Rois) liegen. „Wieso ich?“ fragt Sie. Bis hierhin könnte „Drei“, der neue Film von Tom Tykwer, ein genialer Kurzfilm sein. Dann wird es „kompliziert“, wie es später heißen wird.
Hanna und Simon sind in Ihren Vierzigern und seit 20 Jahren ein Paar. Sie ist Fernsehreporterin, er baut Künstlern die Kunstwerke zusammen. Beide stammen sie aus einer nicht näher benannten westdeutschen Provinz und führen ein Leben im Berliner Kunstmilieu aufgebaut, inklusive maßvoll chaotischer Altbauwohnung mit Holzfußboden und Vernissagen. Dann kommt Adam (großartig: Devid Striesow, der manchmal an einen jungen Anthony Hopkins erinnert). Das Experiment beginnt.
Hanna und Simon treffen unabhängig voneinander auf Adam, den Stammzellenforscher, und beginnen beide eine Affäre mit Ihm. Er ist das eigentlich beeindruckende an diesem Film. Er ist nicht nur Stammzellenforscher, sondern auch Sänger und Segler, Fussballspieler und Fussballfan. Eine Art unverdorbener, ostdeutscher Übermann, frei von jeglichem “Unbehagen” der durch nichts zu verführen scheint als durch sein Jungenlächeln. Kein Schamloser Mann, sondern ein der frei von Scham ist. “Hier wohnst du?” fragt Hanna, als das Taxi vor dem Plattenbau stehen bleibt. “Ja” antwortet Adam lächelnd. Sophie Rois gibt die Hanna hier besonders wunderbar, mit einer Mischung aus Sprödheit, Humor und Görentum.
Adam ist auch ein Sinnesmensch, ein Sinnesmensch gegen zwei Kopfmenschen. Der “Besucher“ in Pasolinis “Theorema”, einem ähnlichen Experiment wie auch Tykwer es aufführt, ist ein junger Künstler. Was aber wenn die Bürgerfamilie selbst aus Künstlern besteht? Dann entsteht aus der Antithese heraus ein solcher Adam - ein singender Stammzellenforscher. Die Stammzellenmetapher führt Tykwer weit aus. Wie die Stammzellen die er untersucht ist Adam, “multipontent”, verwandlungs- und universal liebesfähig. Als Simon nach einer homosexuellen Erfahrung mit Ihm, bei einem Bier versucht sich über seine eigene Sexualität klar zu werden, lacht Adam über das Wort “schwul” und schlägt ihm vor sein “deterministisches Biologieverständins zu überwinden“. Der Naturwissenschaftler Adam kategorisiert in der Arbeit, außerhalb ist er von solchen Wünschen frei.
Es sind übrigens die homoerotischen Szenen auf dem berliner Badeschiff, die am stärksten aus dem “Experiment” herausfallen und eigener Intensität gewinnen. Die restlichen Sexszenen - und es gibt davon einige - bleiben recht steril, Platzhalter für Sexuelles, ohne, dass sich der Dialog der Figuren im Sex weiterginge. Am Ende bleibt ein Film der seine Mitte im Gegensatz zu Adam nicht gefunden hat. Ein schöner Film, ein Film der ganz “deutsch” ist, der das berliner Bildungsbürgertum Prenzlauerberger Prägung genau beschreibt (Hanna zu Simon: “warum schämst du dich noch immer einen Mercedes zu fahren?”), seine Herkunft nicht vergisst (Simons 68ger Mutter, gespielt von Angela Winkler, zitiert Hesse und lässt sich nach ihrem Tod von Gunter von Hagen plastinieren) und Berliner Orte und Stimmungen wieder aufleben lässt. Ein Film mit vielen Inhaltlichen und formalen Einfällen, von denen einige leider nicht die Geschichte vorantreiben. So ist aus “Drei” trotz großartiger Schauspieler und guter Ideen kein Meisterwerk entstanden. Tom Tykwer hat es nicht geschafft das “junge deutsche Kino” in sich zu zähmen - dabei hätte er Präzision der Erzählung und Willen zur Form von Jüngeren lernen können: Maren Ade z.B., deren “Alle Anderen” von den Cahiers du Cinema gerade als “Meisterwerk” gewürdigt wurde.
Lebanon (2009)
Ein Film in 3 Bildern. Der Panzer von Innen, der Blick aus dem Panzer durch das Gyroskop; mit oder ohne Zoom. „Lebanon“ spielt im ersten Libanonkrieg, 1982. Vier junge Soldaten, Shmulik (Itay Tiran), Assi(Oshri Cohen), Hertzel (Michael Moshonov) und Yigal(Michael Moshonov) überqueren in ihrem Panzer die Grenze und befinden sich im Krieg. Der Zuschauer ist mit Ihnen im Panzer, und wird diesen bis zum Ende des Films nicht wieder verlassen.
Samuel Maoz hat in diesem Panzer einen atmosphärischen, klaustrophobischen Raum geschaffen. Manchmal denkt man an Alien, wenn eine zähe Flüssigkeit die Wände herunterfließt, manchmal an ein Uboot, die Soldaten schon zu Beginn in einer dunklen Pfütze stehen, von dem nicht weiß woher sie kommt. „The Form ist he Message“ – Lebanon lebt von seiner Perspektive. Nie sehen wir die realität, immer nur, wie die Soldaten, ein Abbild. Die reale Außenwelt – nicht Ihr Abbild durch das Gyroskop des Schützen - dringt nur ein, wenn der Oberoffzier von außen die Luke öffnet und zu den Soldaten hineinsteigt. „Es nennt sich Krieg und ist üblicherweise gefährlich“ sagt er, als er die Luke wieder hinter sich schließt.
Wir, die Zuschauer, sind „embedded“, wir erleben mit, aber wir uns wird werden eines Narratives beraubt, wie es z.B. „Waltz with Bashir“ erzählt. Und so will ich mir einerBewertung anschließen, die ich in einem Forum fand: „Yes, it’s true, I will not call this film a masterpiece but it most definitely does catch the emotions and fears of a young soldier.”
P.S.: Slavoj Žižek nimmt in einem Vortrag auf beide Filme negativ Bezug. Žižek ist der Meinung, dass ein Fokus auf die menschlichen (individuellen) Leiden des Krieges von der politischen Entscheidbarkeit ablenken soll. Wo für die Protagonisten der Filme der Krieg als solches nicht mehr entscheidbar ist, war für die aus den ausgelagerten, politischen, Protagonisten der Krieg eine Möglichkeit unter anderen, die in den Filmen unsichtbar geworden sind. Ich glaube, dass durchaus beide Sichtweisen notwendig sind – es ist schließlich auch die Menge der über Bilder aufgerüttelten Individuen, die in einer Demokratie über Krieg und Frieden entscheidet, oder entscheiden sollten.
Allein und weit weg: Moon (2009)
Ducan Jones, der Sohn David Bowies, hat einen ersten Spielfilm in die Kinos gebracht: „Moon“ ist ein sehr gelungenes, unprätentiöses Independent-SF-Drama, gedreht mit einem Schauspieler in einem englischen Studio das an die Zeiten erinnert als Tarkowski für Solaris in seinem Bad drehte.
Sam Bell (Sam Rockwell) lebt alleine mit dem Stationsroborter Gerty (Stimme: Kevin Spacey) auf einer Raumstation auf der Rückseite des Mondes, um für „Lunar Corporations“ saubere Energie aus Mondstaub zu gewinnen. Kurz bevor sein Dreijahresvertag ausläuft und er auf die Erde zurück kann, hat er einen Unfall, dessen Folgen das Leben auf der Mondstation völlig durcheinander bringen. Der Plot ist dabei geschickt konstruiert, denn genau genommen kommen die Sachen durcheinander weil genau das eingetroffen ist was Getsy behauptet: „du hattest einen Unfall …….“. Weil die Lüge dieses mal der Wahrheit entspricht wird Sie als Lüge sichtbar.
Moon ist steht in einer SF-Tradition in der die großen Fragen der Condition Humana abseits der Erde verhandelt werden, vor allem die Frage wann ein Individuum ein Individuum ist. Jones selbst sagt in einem Interview über Moon, er sei vor allem von den SF-Filmen der späten Siebziger inspiriert gewesen, in denen „Arbeiter, glaubhafte Menschen“ in einem SF-Szenario gezeigt wurden. (Interview) Daneben enthält Moon Ideenstränge vieler SF-Klassiker, die Jones zu einem neuen, genuin eigenen Film verbindet. Nennen wir hier beiden Klassiker mit denen man selten falsch liegt: Bladerunner (die Idee vom „falschen“ Menschen der auf den ersten Blick nicht vom „echten“ zu unterscheiden ist, und auch selbst von seiner Kondition nichts weiß; auch der „allmächtige“ Konzern „Lunar Corporations“ erinnert sehr an TYRELL), 2001 Odysee im Weltraum („die Maschine hat Informationen die der Astronaut nicht hat, und hat mehr Entscheidungsgewalt als er“ ).
Wenn wir beim Thema Computer bleiben, dann hat Getsy einen Platz in der „Roborters Hall of Fame“ verdient. Das Design dieses Roborters ist fantastisch. Gertsy hat eine Art Körper (einen Greifarm, eine Kamera) und eine Art Seele (die er in Form von Emotions-Smileys auf einem Monitor vor sich herträgt). Im Laufe des Films kommt der Computer in ein moralisches Dilemma: seine programmierte Loyalität Sam gegenüber - „ich bin hier um dir zu helfen“ - steht plötzlich im Konflikt zu seiner Loyalität dem Konzern gegenüber. Interessant ist, dass die Überlegenheit des Menschen normalerweise darin besteht, dass er in die Mechanik des Computers eindringen kann, um seine Gedanken zu verändern (siehe 2001). In Moon ist es umgekehrt: die Menschen (Klone) sind mechanisch, und werden alle drei Jahre ersetzt, während Getsy, der Computer, die Entscheidung neu gestartet zu werden aus moralischem Antrieb treffen und durchführen kann.
Allerdings kann es den Eindreuck vervälschen „Moon“ all zu sehr zu intellektualisieren. Es ist das herausragende an diesem Film, dass er einerseits einfach, andererseits fundamental ist. Was tut man, wenn man herausfindet, dass man austauschbar ist? Was tut man, wenn man weiß, dass alles eine Illusion ist? Sind falsche Erinnerungen Echt? Diese und andere Fragen stellt Moon, ohne Zeigefinger, ohne übermäßige Effekte und mit einem Ensemble aus Produktionsdesign und Enselmbe das so gelungen ist, eben weil alles natürlich aussieht –der Roboter (sehen den Roborter nicht so aus?) die Raumstation (eine ganz normale Raumstation!) und der mit einer subtilen Fantasie, einem tollen Produktion-Design und schließlich dem wunderbarden Spiel von Sam Rockwell (genau so sieht ein Weltraumarbeiter aus!). Dahinter steckt natürlich ein akribischer Regisseur, von dem wir noch vieles erwarten können.
P.S.: hier noch eine kleine, persönliche, Computer Hall of Fame.
Hal (2001):

Hat in dem Sinne keinen Körper, sondern nur eine Stimme und ein rotes, gefährliches, Kameraauge. Sein Ziel ist es Jupiter zu erreichen. Der scheinbare Störfaktor: die Besatzung. Die logische Folgerung: Sie zu töten. Wird von einem Astronauten deaktiviert, zeigt sich dabei aber als Menschlich, indem er Angst vor dem Nichtsein hat und vor dem Tod Kinderlieder singt.
Bombe 20 (Dark Star):
Das Ziel: Explodieren. Das Hindernis: das die Besatzung genau das nicht will, und mit einem phänomenologischen Apell an Bombe 20 versucht sie davon abzubringen. (Die Diskussion ist hier zu finden: http://www.thedarkstar.de/bombe20.html). Explodiert trotzdem mit den Worten „Es werde Licht.“
Getsy (Moon):

Hat einen klumpigen Roboterkörper der mit der Raumstation verbunden ist, aber auch einen Geist (Stimme und Emotions-Bildschirm). Soll für Ordnung sorgen, aber auch dem Astronauten helfen. Entscheidet sich im Loyalitätskonflikt für den Astronauten und startet sich neu.
Odysee eines “Working-Class Antiheroes”: Mammuth (2010)
Meine Liebsten Szenen sind jene, wo wir Mammuth einfach nur französische Landstraßen hinunterfahren sehen. Gerard Depardieu verkörpert diesen Mann: wuchtig, massig, und mit einem Gesicht wie aus Stein gemeißelt, wenn er auf die Landstraße blickt; es ist dort so viel eingemeißelt, dass es zu betrachten kaum langweilig wird.
Nach seinem letzten Tag im Schlachthaus geht Mammuth (Gerard Depardieu) in Rente und hat scheinbar nichts mehr vor sich als ein Puzzel mit 997 Teilen. Da ihm aber für seine Rente 10 Dokumente fehlen, schwingt er sich auf sein altes Motorrad und fährt seine alten Arbeitgeber ab: Dorfkneipen, Rummelplätze und Clubs in Frankreichs tiefster Provinz. Eine Reise in die Vergangenheit. Im Hause seines Bruders trifft er auf Solange (Miss Ming), ein entrücktes Mädchen, dass bizarre Kunstwerke aus Kuscheltieren zusammennäht. Der Idiot und die Verrückte werden einen Moment lang das einzig positive Paar des Films – eine optimistische Weltsicht ist das nicht. Mammuth experimentiert. Wenn Depardieu den Strand nach Münzen absucht, ist das gut. Wenn Isabelle Adjani mit Horrorfilmmakup die zwanzigjährige, verstorbene Geliebte Mammuths darstellt weniger. Am Ende will der Roadtrip sich nicht zu einer Geschichte verknüpfen. Und dem Zuschauer bleibt nur Depardieus Statur im Kopf: Mammuth. Der Hollywood Reporter sieht es ähnlich: http://www.hollywoodreporter.com/hr/film-reviews/mammuth-film-review-1004069576.story Hier die Mappe von der Berlinale: http://www.berlinale.de/external/de/filmarchiv/doku_pdf/20105362.pdf
Eigentlich ist es mehr so ein Gefühl: „hahaha“ von Hong Sang-Soo.
Ich entdeckte Hong Sang-soo vor einigen Monaten zufällig und durch einen Trailer. Nach zwanzig Sekunden dachte ich „das ist einer von den großen“, nach einer Minute war ich mir sicher. Nun wissen es viele mehr: sein Film „hahaha“ war Gewinner des Wettbewerbs „un certain regard“ in Cannes. Und dank einer Wiederholung in Paris konnte auch ich endlich einen ganzen Hong sehen.
[Scorcese kannte Ihn natürlich schon vor mir. Bemerkenswert, wie immer, seine agile Scorcesekopfhaltung, seine Scorcesebrauen und seine Fähigkeit Namen jeglicher Herkunft auszusprechen]

Hahaha beginnt in Schwarzweiß-Standbildern. Er handelt von den Geschichten zweier Freunde, die beide ein paar Sommertage in „Tongyeong“ verbrachten, und sich nun beim Schnaps Ihre Geschichten erzählen. Es handelt sich bei den beiden Männern um ein dicklichen Regisseur mit flaumigem Schnurrbart – selbstredend noch filmlos – und ein depressiven Filmkritiker der mit seiner Geliebten reist. Ohne es zu wissen, spielen in Ihren Geschichten dieselben Plätze und dieselben Personen verschiedene Rollen. Frauen, natürlich. Und natürlich auch der Gegenpart der beiden ständig nachsinnenden Männer: ein ehemaliger Soldat, nun Poet und Frauenheld.
Die Kamera ist einfach, die Farben natürlich. Man liest das Hong mit sehr geringen Produktionskosten dreht. Aber dennoch ist man vom ersten Bild an eingesogen in ein Hong-Gefühl, ein melancholisch-stoisches Gefühl, das die Charaktere umweht die zu schwach sind etwas zu ändern und zu schwach um es nicht zu versuchen.
In einer schönen Szene will sich eine Junge Museumsangestellte sich von ihrem Poeten trennen der Sie betrog. „Steig mir auf den Rücken“ sagt Sie. „Warum,“ fragt der Poet. „Ich trenne mich von dir, und ich will dich davor auf meinem Rücken getragen haben. Mach jetzt.“ Er steigt auf Ihren Rücken, natürlich ist er zu schwer, ihre Stöckelschuhe brechen ab und beide Fallen zu Boden.

So weit ich es Überblicken kann sprechen alle Filme Hong’s von Künstlern und Frauen; von den wirklichen Frauen und den Frauen, die die Künstler sehen. Manchmal schmeichelt Ihnen das Bild, manchmal glauben Sie, es habe mit Ihnen nicht zu tun. Zuweilen scheint es, als gebe es eine tiefere Kommunikation zwischen den Künstlern und den Frauen, und dann wieder, als sei es ein glücklicher Zufall gewesen, dass sie zur selben Zeit etwas sagten was wie eine Antwort auf den anderen klang.
Über seine Arbeitsweise sagt Hong in Interviews, er würde meist ein Treatment mit rund 20 Ideen und den Drehorten verfassen, um die Szenen am Morgen der Drehtage zu schreiben. Vielleicht kommt aus dieser Arbeitsweise das Gefühl der Spontaneität. Er wisse ebenfalls nicht, so Hong, was er für einen Film machen wolle. Er entstehe zusammen mit den Schauspielern:
We’re working on it together 100 percent. I can’t come up with it on my own. The process of how the movie gets moulded can only come strictly through interaction and whether it be the idea or whatever, it’s no use if there are no actors. The story gets decided on by setting on the actors. If Yu Jun-sang hadn’t played the part in “Hahaha,” he wouldn’t have been the same character in the movie. A different story would have been produced if the cast was different. That’s what I can tell you for sure.

Auf die Frage wen er als Vorbild habe, nennen viele Truffaut (und die Art wie er Frauenbeine betrachtet, erinnert tatsächlich immer wieder an “Der Mann der die Frauen liebte”). Hong selbst jedoch nennt Cézanne:
Nun, ich bewundere viele Filmemacher, Ozu, Buñuel, Murnau Aber der
Künstler, dem ich mich am nächsten fühle, ist Paul Cézanne. Bei jedem Künstler stehen ja Abstraktion und Konkretion in einem bestimmten Verhältnis. Und bei Cézanne stimmt dieses Verhältnis für mein Gefühl einfach genau. Als ich zum ersten Mal Bilder von Cézanne sah, wusste ich sofort: Ja, das ist es!
Man könnte daraus schließen, dass Kunst für ihn ein weiter Begriff ist. Ein “Künstler”, sicherlich nicht unbedingt jemand der Kunst schafft, sondern ein einer den seine Sinne in Schach halten. Man könnte Hong Sang-soo auch einen Maler von Geschichten nennen. Einen Gefühlsmaler, der nicht selten „awkwardness“ malt, dieses Wort, das keine echte deutsche Entsprechung hat. Ein Regisseur der seinen Figuren mit schrecklicher Neugierde, aber auch mit viel Respekt zusieht, der nicht urteilt sonder zeigt, der die Zuschauern zu Göttern macht die gütig und verstehend die Sterblichen belächeln können.
***
Eine gute Zusammenfassung seiner Filme findet sich hier:
http://koreanfilm.org/hongsangsoo.html
Ein aktuelles Interview (engl) auf einer Seite zwischen koreanischen Zeichen:http://10.asiae.co.kr/Articles/new_view.htm?sec=ent3&a_id=2010052417295463087
http://10.asiae.co.kr/Articles/new_view.htm?sec=ent3&a_id=2010052414142942697
http://10.asiae.co.kr/Articles/new_view.htm?sec=ent3&a_id=2010052015595303818
Hier ein etwas älteres Interview, in dem Sang-soo über seine Arbeitsweise und Weltsicht spricht.:
http://lightsensitive.typepad.com/light-sensitive/2009/10/hong-sangsoo.html
Abgesang
Auf den breiten Gehwegen vor dem canner Bahnhof rieben sich am Samstag vor Festivalende Massen von Kommenden gegen Massen von Gehenden. Die kommenden sind vor allem junge Mädchen aus Nizza, in kurzen Röcken und langen Wimpern; zur Croisette pilgernd um dort noch oder einmal den erschöpften Sternchen ein Fotos oder eine Nächte abzuringen.
Die Gehenden wirken machmal verloren, als hätten sie nicht damit gerechnet, dass alles so schnell wieder vorbei sein würde. Sie tragen große Taschen neben Sonnenbrand, Sie stehen auf den Bahnsteigen herum und versuchen Tickets zu kaufen.Aus der langen Schlange zum Ticketschalter raunen vielsprachige Selbstkasteiungen des Tenors „warum habe ich nicht früher ein Billet gekauft?“.
Gewonnen hatte am Ende Onkel B:
Angeblich hat er noch keinen Verleih in deutschland Gefunden. Gesehen habe ich Ihn nicht, aber vom Trailer her zu schließgen gibt es Filme diesen Schicksals um die es trauriger ist.
Schauspiel gewann Binoche (Copie Conform) und Bardem (Bieutuful):
Copie Conforme soll sehr gut sein. Mich hatte man leider in letzter Sekunde nicht reingelassen. Klassischer Arthouse. Bieutuful anderseits soll sehr langweilig sein, zumindest sagten das alle mit den ich sprach:
Man and gods bekamen einen Jurypreis:
[man beachte den schönen letzten Satz “es ist zu früh um zu enteiden]
Regie gewann Tournée von Matthieu Amalric. In einem Interview mit der franzöischen Kulturzeitschift “Telerama” (Spex-artig) erzählt er, er habe die Schauspielerinnen vor allem durch sein eigenes Schauspiel geleitet. Dennoch: wahrscheinlich wollte man wenigstens einen Film unter den Siegern haben der ein wenig gute Laune verbreitet:
Und mir bleibt allen die gelesen haben zu danken, und euch um ein kleines Feedback zu bitten. Was hättet ihr gerne gelesen, und was hätte ich mir sparen sollen, und was hat gefallen: Start | Stop | Continue
Und aus dem Badge wird bis zum nächsten Jahr nun ein Schlüsselanhänger.
Skitzen zwischen schlechten Filmen
Gestern nur schlechte Filme, deren Namen nicht erwähenswert sind. Desweiteren einschläfernde, Experimentalkurzfilme.
Am abgesperrten Strand hinter den kleinen weißen Ländertipis liegen die Besucher des 63 Filmestivals in Cannes in der Sonne. Unter ihnen eingeschlichene wie Ich, die nach dem Kaffe süchtig geworden sind, den man bekommt, wenn man sich nach Italienischen coproduktionen erkundigt.
Zu meiner rechten liegt eine junge Frau, ende zwanzig mit rotem Gesicht und blonden schulterlangen Haare die im Liegen wie ein Rechen aufgegangen sind, den Blackbury am Ohr und Tränen in den Augen. “Zwei Monate schon,” meint sie zu wissen “geht das schon so… J’en ai mare! Ich habe genug, genug habe ich davon.” […] “Drei Monate schon geht das so, ich habe genug.” […] “Um zehn sagst du, ja, doch, dann bis zehn”
Links von mir eine Gruppe Amerikaner. Verdacht auf Jungproduzenten. Drei Jungs und ein Mädchen; ein Bauchansatz mit Kurzhaarfrisur, ansonsten alle mit Schulterlangem, durchgearbeitetem Haar, und wenn möglich mit gepfegtem Fünftagebart. Der surfigste von Ihnen, während er Sonnencreme in unter die schmale blaue Badehose des Mädchens reibt: “It’s so boring to watch Movies in Cannes. After a day of meetings, you’re tirded. Then you’ve got to wait until everyone’s seated, like 20 minutes. Then you fall asleep. You wake up when Joney Depp is on screen and you think “wow. that’s Jonny Depp.”
Le Cinema est ma maitresse
Ein guter Film über Ingmar Bergmann in dem Scorcese mit seiner Eisverkäuferstimme Voice Over macht. Einen Satz von Strindberg behalten: “Despite my understandable Melacoly in never could take things completly serious.”
5 x Favela, por nos mesmos
5 x Favela, por nos mesmos, auf deutsch “5 x Favelas, nun von uns selbst” ist eine Sammlung von fünf Kurzfilmen, von fünf Regisseuren die selbst in den Favelas aufgewachsen sind. Laut Hollywoodreporter wurde immer mit der selben Crew gedreht.
Die Qualität der Filme war beeindruckend. Vor allem aber brachen Sie mit dem mitleidigen Ton der vielen großen Produktionen zu eigen ist, wenn Sie von Armenvierteln sprechen. Statt dessen zeigen die Regisseure das Leben zwischen dem Elend, dass Glück welches die Protagonisten zu leben versuchen - und von einem düsteren Kurzfilm über die Rache eines Bandenchefs abgesehen, sind alle Filme hoffnungsvoll obwohl Sie ihre Geschichten zwischen Armut und Korruption spielen. Aber das Elend ist eben nicht Geschichte, sondern eine Tatsache von dem man hofft sie werde überwunden.

Fünf verschiedene Blicke auf die Favelas, fünf gut gefilmte Geschichten aus Brasilien die es zu sehen lohnt.
P.S.: der Plot der einzelnen Kurzfilme hier
http://www.hollywoodreporter.com/hr/film-reviews/5-x-favela-now-by-ourselves-film-review-1004091866.story